Vortrag am 23.10.2026: Das Rätsel um den „luftg‘selchten“ Pfarrer wird gelüftet

Zu einem außergewöhnlichen historischen Kriminalfall und medizinischen Rätsel laden die Familien- und Heimatforscher Schrobenhausener Land ein: Am Freitag, 23. Oktober 2026, steht beim beliebten Forschertreffen im Gasthaus Felbermaier ein Vortrag über den sogenannten „luftg‘selchten“ Pfarrer auf dem Programm. Referent ist ein weiteres Mal der renommierte Pathologe sowie Mumien- und Geschichtsforscher Professor Andreas Nerlich aus München.

Seit etwa dem Jahr 1800 fasziniert eine Mumie im kleinen oberösterreichischen Ort St. Thomas am Blasenstein die Menschen. Sie ruht in einer Gruft unter der Kirche und beflügelte schon früh die Legendenbildung um den Unverwesten, dem der Volksmund sogar „Wunderheilungen“ zuschrieb. Die sterblichen Überreste wurden traditionell dem lokalen Pfarrvikar Franz Xaver Sydler von Rosenegg zugeordnet, der im Jahr 1746 im Alter von nur 37 Jahren verstarb. Eine erste wissenschaftliche Untersuchung im Jahr 2000 per Röntgenbild warf jedoch neue Fragen auf: Im geschlossenen Bauchraum wurde eine rätselhafte „Kugel“ entdeckt, was prompt Spekulationen über einen potenziellen Giftmord anheizte.

Um endgültig Klarheit über die Identität, Krankheiten und die Todesursache zu erlangen, wurde die Mumie kürzlich für eine umfangreiche Nachuntersuchung nach München transportiert. Die Ergebnisse der modernen Analysen sind spektakulär: Das Sterbealter zwischen 30 und 40 Jahren sowie der Todeszeitraum zwischen 1734 und 1780 passen exakt zur Biographie des vermuteten Pfarrvikars. Seine überdurchschnittlich gute Versorgungslage stützt diese Annahme zusätzlich.

Mittels einer Computertomographie (CT) konnte Nerlich zudem die wahre Todesursache rekonstruieren: In der Lunge wurden Reste einer Lungentuberkulose sowie Spuren eines mutmaßlichen Blutsturzes entdeckt. Doch wie lässt sich der hervorragende Erhaltungszustand des Leichnams erklären? Und was hatte es mit der vermeintlichen „Giftkugel“ auf sich? Die CT-Untersuchung stieß im Körper auf Fremdmaterial, das nicht nur das Geheimnis der Mumifizierung lüftet, sondern auch die Legende vom Giftmord in ein völlig neues Licht rückt. Was genau dahintersteckt und was die Funde über den Umgang mit prominenten Verstorbenen im Spätbarock verraten, wird der Münchner Experte am Vortragsabend detailliert ausführen.

Das Forschertreffen beginnt um 17.30 Uhr, der Vortrag startet um 19.30 Uhr im Gasthaus Felbermaier in Lampertshofen.Luftg'selchter Pfarrer: Mumie mit Sterbekreuz

Die seit Jahren gut besuchten Vortragsabende haben sich überregional als sehr gefragt erwiesen. Inzwischen sind bei den Veranstaltungen regelmäßig mehr als 100 Besucher zu verzeichnen. Der nächste Stammtisch mit einem Vortrag von Winfried Müller über den virtuellen Lesesaal der Bayerischen Staatsachive und GeaCron folgt am Freitag, 20. November. Weitere Informationen zum Stammtisch und hilfreiche Links sind im Internet unter https://www.ahnenforscher-schrobenhausener-land.de und https://www.blf-online.de zu finden.

(Norbert Pichler)

 

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