Sterbebilder – Spannender Blick auf kleine historische Quellen: Vortrag am 18.09.2026

Sterbebild Andreas Winter BildseiteSterbebild Andreas Winter TextseiteBeim bevorstehenden Stammtisch der Familien- und Heimatforscher Schrobenhausener Land hält Brigitta Winter aus Weichering, Stammtischmitglied und ehemalige Fachoberlehrerin für Ernährung und Gestaltung, am Freitag, 18. September, ihren Vortrag mit dem Titel „Rund um das Sterbebild“.

Sterbebilder sind kleine Gedenkzettel, die bei Begräbnissen verteilt und als Erinnerung an Verstorbene aufbewahrt werden. Ihre Wurzeln liegen in katholischen Andachts- und Totenerinnerungsblättern des 18. und 19. Jahrhunderts. Durch die Entwicklung des Buchdrucks wurden sie im 19. Jahrhundert so erschwinglich, dass auch breitere Bevölkerungsschichten sie in Auftrag geben konnten. Neben den Lebensdaten wurden oft auch Lebens-, Geburts- und Sterbeorte, Berufe sowie Haus- und Hofnamen abgedruckt. Im Laufe der Zeit kamen Fotografien, kunstvolle Rahmen und persönliche Elemente hinzu.

Dadurch sind Sterbebilder weit mehr als bloße Trauerzettel. Sie dienen heute als wichtige historische Quellen für Volksfrömmigkeit sowie für die Regional-, Design- und Familiengeschichte. Besonders außergewöhnliche Formate, handgeschriebene Ergänzungen oder Motive aus dem Leben der Verstorbenen spiegeln den Wandel von Sprache, Glauben und Gestaltung über Jahrzehnte hinweg wider.

Man schätzt, dass allein in Bayern in den letzten hundert Jahren rund sechs Millionen verschiedene Sterbebilder gedruckt wurden. Einen wichtigen Beitrag zur Erforschung dieser Quellen leistet das Sterbebildprojekt des Bayerischen Landesvereins für Familienkunde (BLF). Unter der Leitung von Anna Probst, Walter Müller (Administrator) und Rolf Freytag (Programmierung) entstand dieses Mitmach-Projekt mit dem Ziel, einen beträchtlichen Teil der überlieferten Sterbebilder Bayerns dauerhaft zu bewahren.

Mithilfe komfortabler Einzug-Scanner werden bei Vereinsabenden und Stammtischen Sammlungen systematisch digitalisiert. Über 150 bis 200 Freiwillige haben die Daten über die Jahre manuell erfasst. Inzwischen ist der Bestand auf über 1,5 Millionen Datensätze angewachsen. Mittlerweile übernimmt eine KI-basierte Software die Ersterfassung und filtert Dubletten automatisch heraus. Ein großer Dank gilt hier Josef Probst, der diese Software beständig weiterentwickelt und damit den Aufwand für die Nachbearbeitung minimiert. Dank dieses Engagements und der Unterstützung vieler Privatpersonen werden die Dokumente als historische Quellen für die Forschung und Öffentlichkeit erhalten.

Das Forschertreffen beginnt um 17.30 Uhr, der Vortrag startet um 19.30 Uhr im Gasthaus Felbermaier in Lampertshofen.

Neben dem Vortrag gibt es auch weitere Bekanntmachungen, zudem werden passend zum Referat sehr viele verschiedene Sterbebilder zur Ansicht ausgelegt. Alle Interessenten sind dazu herzlich eingeladen. Weiterhin besteht die Möglichkeit, mitgebrachte Sterbebilder einscannen zu lassen. Bei der Organisatorin Anna Probst können Informationen zum Sterbebild-Projekt des BLF unter der Telefonnummer 08252/6043 angefragt werden. Sterbebilder werden aus ganz Bayern gesammelt – egal, wie alt oder wie neu.

Die seit Jahren gut besuchten Vortragsabende haben sich überregional als sehr gefragt erwiesen. Inzwischen sind bei den Veranstaltungen regelmäßig mehr als 100 Besucher zu verzeichnen.

(Norbert Pichler)

Abbildung: Ein Sterbebild im Jugendstil: Es erinnert an den Rangiergehilfen Andreas Winter aus Ingolstadt, der im Oktober 1923 nach viermonatlichem Leiden verstarb (aus Privatbesitz Brigitta Winter).