An den drei Freitagabenden können sich die Kursteilnehmer mit dem Schreiben und Lesen der nicht mehr gebräuchlichen Schreibschriftformen der sogenannten Deutschen Schrift befassen. Stammtischmitglied Brigitta Winter aus Weichering leitet den Kurs. Jeder, der sich mit Ahnenforschung oder auch nur mit auf dem Dachboden aufgefundenen alten, kaum mehr lesbaren Briefen und Postkarten befasst, ist irgendwann gezwungen, sich mit den früheren Formen der Deutschen Schreibschrift auseinanderzusetzen – wobei in den meisten Fällen die deutsche Kurrentschrift und deren später für den Schulunterricht in Deutschland eingeführte Variante, die Sütterlinschrift, anzutreffen sind.
Hierzu bietet der Ahnenforscherstammtisch in Lampertshofen für alle Interessenten und Neulinge drei Übungsabende. Der erste Abend beginnt mit der Entwicklung der Schrift, den einzelnen Buchstaben und ersten Leseübungen. Am Folgeabend stehen das Lesen und Schreiben von Einzelworten sowie die sogenannten s-Regeln auf dem Plan. Am letzten Kursabend liegt der Schwerpunkt dann auf dem Lesen und Schreiben von ganzen Sätzen, dem Lesen von Matrikeleinträgen und weiteren hilfreichen Tipps und Tricks, wie man alte Schriften entziffern kann.
Der geplante Vortragsabend mit Frau Dr. Kalesse „(Un)Ordnung in der Registratur des Hochstifts Augsburg oder: eine nützliche Flucht“ wurde wegen Verhinderung der Referentin abgesagt und wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.
Dafür war geplant, dass wir einen Teil der Aufzeichnung des Vortrags von Herrn Hermann Heinrich „Lesen lateinischer Kirchenbucheinträge“ aus dem Jahr 2020 anschauen (unser langjähriges Mitglied wurde am 6. Mai 2025 beerdigt - er war unser absoluter Lateinspezialist!) und anschließend praktische Übungen machen.
Herbert Stockbauer, Leiter des Stammtisches Freyung
Transkribus ist eine Softwareplattform, die sich auf automatische Handschrifterkennung und -transkription spezialisiert hat. Ursprünglich wurde Transkribus im Rahmen eines europäischen Forschungsprojekts entwickelt, um historische Handschriften zu digitalisieren und durchsuchbar zu machen. Die Plattform bietet Tools zur automatischen Texterkennung (OCR), zum Training von Modellen für spezifische Handschriften und zur manuellen Transkription.
Übungsbuch Deutsche Schriftkunde
Schriftbeispiele des 12. bis 20. Jahrhunderts aus bayerischen staatlichen Archiven
Bearbeiter: Ellen Bošnjak, Magdalena Weileder, Susanne Wolf, Sabine Frauenreuther
Mit einem Beitrag von Elisabeth Noichl und Christa Schmeißer.
Dr. Julian Holzapfel, Generaldirektion der staatlichen Archive Bayerns
Eine „möttsembel“ hatte der Maurersohn Baltasar Carl seiner Geliebten, der Dienstmagd Agnes Geroldt, vom Tölzer Jahrmarkt mitgebracht. Unter dieser Köstlichkeit darf man sich nun wohl kein modernes Mettbrötchen, sondern eher ein mit Met getränktes Backwerk vorstellen. Noch spät am Abend stieg er bei ihr durchs Fenster ein, um seine Gabe zu überbringen. Was dann passierte, war tragisch und offenbart menschliche Abgründe – allerdings nur dem, der das Gerichtsprotokoll aus dem Jahr 1705 auch lesen kann.
Die Forscherwerkstatt bot den Teilnehmern die Möglichkeit, Fragen zu genealogischen Problemen und Genealogieprogrammen zu stellen und sich beim Entziffern von schwierigen Textstellen in alten Schriften helfen zu lassen. Außerdem wurden mitgebrachte Sterbebilder eingescannt.
Zur Auffrischung und Vertiefung der teilweise geringen Kenntnisse im Lesen der alten Deutschen Schreibschrift konnte gemeinsam mit dem Arbeitskreis Sudetendeutscher Familienforscher München und Umgebung ein Seminar veranstaltet werden, das auf dem Weg des Erlernens dieser Schrift den Weg zum Lesen erleichtern sollte.
Dr.-Ing. Heinzlmeir versteht es immer wieder, didaktisch und methodisch Texte auszuwählen, die inhaltlich interessant sind, geschichtliche, rechtliche und soziale Einblicke gewähren, vom Schriftbild und der Sprachanwendung aber anspruchsvoll sind.
Herr Wegele hat zwei alte Schriften dabei. Zuerst einen kurzen Bericht, was die leibeigenen Personen nach einem Todesfall an den Leibherrn zu zahlen hatten. Das zweite Schriftstück ist ein Bittbrief von Hans Hach um den Erlass der Leibeigenschaft für seine drei Kinder aus erster Ehe.