70 Jahre Bezirksgruppe Oberbayern im Bayerischen Landesverein für Familienkunde

Vor 70 Jahren, am 31. März 1951, wurde in München im Rahmen der Neuorientierung nach den Kriegsjahren die Bezirksgruppe Oberbayern im Bayerischen Landesverein für Familienkunde gegründet.

Bereits 29 Jahre vorher, am 19. Mai 1922, gründete der aus Franken stammende Lehrer Georg von der Grün zusammen mit Gleichgesinnten den „Bayerischen Landesverein für Familienkunde“ in München. Die erste Satzung wurde am 01. Dezember 1922 veröffentlicht, und am 01. Februar 1923 wurde der Verein ins Vereinsregister eingetragen.

Heute gibt es im Landesverein vier Bezirksgruppen mit insgesamt über 1400 Mitgliedern. Die Bezirksgruppe Oberbayern steuert hierzu über 500 Mitglieder bei.

Diese Mitglieder haben ein gemeinsames Ziel, nämlich die Spuren, die unsere Vorfahren hinterlassen haben, zu suchen, auszuwerten, zu dokumentieren und so vor dem Vergessen zu sichern. Dabei erschließt sich ein detailliertes, sehr persönliches Bild vergangener Epochen mit ihren Menschen und deren Lebensschicksalen.

Daran hat sich in den letzten 70 Jahren nichts geändert, an dem "Wie" aber doch einiges: Musste man vor 70 Jahren noch zu den einzelnen Pfarreien fahren, um die Einträge in den Kirchenbüchern zu studieren, sind die Kirchenbücher heute verfilmt oder digitalisiert, zentral in den Diözesanarchiven einzusehen oder sogar im Internet zu erforschen. Auch bei den staatlichen und städtischen Archiven sind inzwischen viele Findbücher und auch Einzeleinträge von zuhause aus durchzuarbeiten.

Vor 70 Jahren wurden die Ergebnisse der Forschung per Hand auf Karteikarten geschrieben und dann mühsam und kunstvoll in Stammbäume oder Vorfahrentafeln eingetragen; heute werden die Daten in Computerprogrammen verwaltet; es entstehen fast automatisch Familienbücher und meterlange Stammbäume mit all ihren Verflechtungen.

Ziel und Aufgabe der Bezirksgruppe ist es, ihre Mitglieder beim Erforschen dieser Spuren, der Auswertung und der Darstellung dieser Forschungsergebnisse zu unterstützen.

Dazu bietet die Bezirksgruppe Oberbayern seit 70 Jahren über 1100 spannende und hilfreiche Vorträge, jetzt sogar online, Unterstützung beim Lesenlernen und beim oft schwierigen Entziffern der alten Schriften, Einführung in die Geheimnisse der Wappenkunde, Hilfe bei der Anwendung von Computerprogrammen, Hilfe beim Darstellen und Veröffentlichen der Forschungsergebnisse, Führungen in Archiven und vieles mehr.

Unsere Bibliothek bietet Interessierten Literatur zu all den Fragen, die beim Forschen nach den Vorfahren auftreten können. Im Archiv werden Nachlässe gesammelt, aufbereitet und unseren Mitgliedern zur weiteren Forschung zur Verfügung gestellt.

Immer wieder sind wir auch an die Öffentlichkeit getreten, mit Ausstellungen, wie z. B. 1966 und 2002 unter dem Motto „Faszination Familienforschung“, mit der Beteiligung an der 850-Jahr-Feier Münchens beim Isarbrückenfest, mit dem Tag der Familienforschung 2010, bei dem wir gemeinsam mit fünf Archiven und den Mormonen mit einem bunten Informationsmarkt mehr als 500 Besucher anlocken konnten. 2011 informierten uns bei einem Tag der Genealogieprogramme die Vertreter der wichtigsten Computerprogramme. Darüber hinaus entstand 2010 das Bayern-Register mit 25.000 Familiennamen und 20.000 Orten, an denen die 372 Einsender in Bayern forschten. Den Tag der Familienforschung wiederholten wir 2013 und 2019 im Hauptstaatsarchiv. Wieder stellten sich die wichtigsten Archive Münchens und unsere Mitglieder den Fragen der zahlreichen Besucher und halfen mit Rat und Tat.

In Volkshochschulkursen werden Interessierten erste Schritte zu unserem spannenden Hobby aufgezeigt.

Inzwischen gibt es im Vereinsgebiet Oberbayern zehn unabhängige Forscherstammtische, mit denen wir zusammenarbeiten und die wir nach Möglichkeit unterstützen.

Aber auch das gesellige Leben bei ein oder zwei Kulturfahrten pro Jahr kommt heute wie vor 70 Jahren nicht zu kurz. Wie ein Foto vom Vereinsausflug 1958 zeigt, kam man damals mit Hut und Krawatte zum Ausflug. Das Interesse an der Ausstellung und einer Besichtigung vor Ort, die Freude an der Gemeinschaft mit Gleichgesinnten und der Appetit beim Essen waren aber damals vermutlich genau so groß wie heute.

(Dr. Waldburg Eder)