Entschlüsseln schwieriger Texte, Auswertung von Epitaphien

Veranstaltungstermin: 
Donnerstag, 5. November 2015 - 19:00
Referent: 
Manfred Wegele
Veranstalter: 
BLF-Bezirksgruppe Schwaben

Herr  Wegele  erläutere  zuerst  den  Begriff  „schwierige  Textstellen“.  Neben  den  Problemen  beim  Lesen  der  Schrift, Verständnisprobleme  wegen  der  altertümlichen  Formulierungen,  heute  nicht  mehr  übliche  Abkürzungen  oder Maßeinheiten  und  einer  missverständliche  Systematik  bereitet  auch  die  lateinische  Sprache  und  Abkürzungen Schwierigkeiten.  Nacheinander  erläuterte  er  anhand  von  Beispielen  die  Probleme. 

Ein  Kontraktenprotokoll  von  1669 zeigt  sehr  gut  die  altertümliche  Sprache  und  Begriffe,  die  er  erklärte.  Aus  den  Kirchenbüchern  stellte  er  neben minimalistischen Sterbeeinträgen von 1577, einen Heiratseintrag von 1801 mit Angabe der Proclamationen vor. Er ging auf die gebräuchlichen Abkürzungen und die Kombination Lateinisch-Deutsche Kirchenbucheinträge ein. Anschließend erläuterte er die Besonderheiten des Kirchenbuchlateins insbesondere bei Hochzeitseinträgen.  Bei Taufeinträgen findet man häufig kleine Kreuze. Diese Kinder sind meist in den ersten Wochen oder Monaten verstorben – man kann sich aber nicht darauf  verlassen.  Anhand eines Kirchenbucheintrages von 1579  wurde die Systematik des Eintrages erarbeitet  – eine  Seite  für  den  Bräutigam,  eine  für  die  Braut.  Nach  den  Kirchenbüchern  folgte  die  Vorstellung  von Leibeigenschaftsbucheinträgen. Die Leibeigenschaft wurde über die Mutter vererbt. In den Kirchenbüchern werden die Mütter häufig nicht genannt oder nur der Vorname. Im Leibeigenschaftsbuch ist dagegen die Mutter „die Hauptperson“ mit  mannigfaltigen  Informationen.  Infolge  dieser  Informationen  konnte  die  komplette  Familie  gefunden  werden  incl. wohin die Kinder geheiratet haben. Eine faszinierende Besonderheit sind Chronogramme, die der Referent in mehreren Beispielen vorstellte. Die Umrechnungstabelle für Geld stieß auf reges Interesse, ebenso die Schreibweise der Zahlen. Aus seiner Forscherpraxis konnte er auch berichten, dass selbst Epitaphien Hinweise auf die Familienkonstellation geben. Beginnend mit einem Epitaph aus Unterringingen, bei dem im Relief links der Mann und die Söhne, sowie rechts die Ehefrauen  und  Töchter  dargestellt  sind.  Die  Kreuze  über  den  Köpfen  geben  den  Hinweis,  dass  diese  Personen  zum Zeitpunkt der Erstellung des Steines bereits verstorben waren. Nach der Erklärung des Epitaphes stellte er die Daten bzw. die Familie aus dem OFB Unterringingen mit den ergänzten Angaben aus dem Kirchenbuch vor. Zuletzt ging er auf die Besonderheiten der Totenschilde ein.

Frau Scheller dankte Herrn Wegele für den hochinteressanten Vortrag, der auf reges Interesse stieß, sie überreichte ihm ein Präsent.

Art der Veranstaltung: 
Vortrag, Referat
Region/zuständiger BLF-Bereich: 
BLF-Bezirksgruppe Schwaben
Teilnehmerkreis: 
für BLF-Mitglieder; Gäste sind herzlich willkommen
Teilnehmerzahl BLF-Mitglieder: 
42 Mitglieder
Teilnehmerzahl Gäste (Nichtmitglieder): 
5 Gäste
Teilnehmerzahl gesamt: 
47 Teilnehmer